Gleitschirm

Welcher Gleitschirm passt zu mir?

Genau diese Frage stellte ich mir Ende des letzten Jahres. Wenn du als Leser vor genau derselben Frage stehst, können dir meine Zeilen vielleicht helfen den richtigen Schirm für dich zu finden.

 

Zu meinem Pilotenprofil:

Ich fliege noch nicht sehr lange aber extrem viel. Da die Bahnstation neben meiner Haustüre ist, komme ich auf ca. 200 Flüge pro Jahr. Natürlich sind dabei auch Tandemflüge und Abgleiter mitgezählt. Trotzdem mache ich oft Streckenflüge und nehme unter anderem an Wettbewerben teil. Ich komme somit auf ca. 100 Flugstunden pro Jahr.

Viele Kollegen bezeichnen mich als guten Piloten. Bis zu EN-B Schirmen macht es mir nichts aus auch mal einen Fullstall, Heli, Frontklapper oder Beschleunigte Seitenklapper über Grund zu üben. Bei EN-C und D Schirmen je nach Streckung bzw. Verhänger-Gefahr dasselbe. Von dem her würde ich mich als Piloten einstufen, der auch mit anspruchsvollen Geräten zurechtkommen würde.

 

In meinem Heimfluggebiet liegen die Aufwinde oft weit auseinander, man ist um jeden Meter froh, den man bei der Querung mitnehmen kann.

 

Die Ausgangslage:

Ich suchte, einen neuen Gleitschirm, der meinen Bedürfnissen am besten entspricht. Mit dieser Ausgangslage sehen sich viele Piloten konfrontiert, das Angebot ist riesig – aber was passt am besten zu mir?

Um dies heraus zu finden, bin ich rund 20 verschiedene Schirme ausgiebig geflogen. Nebst Extremflugverhalten beobachtete ich die Leistung, den Top Speed, die Dämpfung, das Handling, das Gleiten und vieles mehr. Während dem Testen kam ich zu vielen Erkenntnissen und habe viel dazu gelernt, sowohl technisch aber auch fliegerisch!

Darum kann ich jedem empfehlen, setzt euch ausgiebig mit den verschiedenen Schirmen auseinander, es lohnt sich!

 

Mein persönliches Fazit:

A-Schirme:

Die Idealen Schirme, um mit dem Fliegen zu beginnen. Wer nicht oft Fliegt soll diese Schirme Fliegen, die aktuellen Schulschirme gleiten nicht schlecht. Der grosse Nachteil ist die kleine Maximalgeschwindigkeit und das schlechte Gleiten wenn beschleunigt wird.

Auch zeigen sie die Tendenz, beim Gleiten in unruhiger Luft sich aufzubäumen. Das ist es, was die reale, erfliegbare Gleitleistung dieser Schirme in der Regel nicht besonders gut macht. Dies ist bedingt durch die hohe Wölbung und die grosse Dämpfung einfach gegeben.

Dafür sind es die Schirme, di in der Thermik am besten Steigen, vor allem wenn man nicht sehr viel Erfahrung hat.

 

B-Schirme:

B-Schirm ist nicht gleich B-Schirm! Die Unterschiede in dieser Klasse sind gewaltig. Ein B-Schirm kann Schulungstauglich sein, ein B-Schirm kann aber auch sehr anspruchsvoll sein! Grundsätzlich sind die Leistungsunterschiede im Trimmflug nicht wahrnehmbar. Im beschleunigten Flug sind die Unterschiede minim wahrnehmbar – aber bestimmt nicht kaufentscheidend.

 

Folgende Punkte sollten kaufentscheidend sein:

 

Wie Agil soll mein Schirm sein?

Wer gerne einen agilen Schirm hat, der soll an der oberen Gewichtsgrenze fliegen im Handling zeigen sich grosse Unterschiede. Probeflüge mit verschiedenen Schirmen sollten unbedingt gemacht werden.

 

Wie gut komme ich mit Extremsituationen zurecht?

Wer eher ängstlich ist und nicht gerne Klapper und andere Manöver übt, der soll unter keinen Umständen einen High-End EN-B Schirm fliegen. Der EN-B Pilot soll Seitenklapper und auch Frontklapper regelmässig üben, vor allem wenn er in eine höhere Klasse aufsteigen will. Die Behauptung es sei schade dem Schirm ist unbegründet, ganz im Gegenteil. Schirme die oft belastet werde zeigen deutlich weniger verkürzte Leinen!

 

Fliege ich aktiv?

Diese Frage ist einfach zu beantworten. Wer Klapper hat fliegt nicht aktiv, wer keine Klapper hat der Fliegt entweder nie in der Thermik oder sein Flugstil ist aktiv. Klapper passieren nicht, sie sind einzig das Resultat einer zu späten Pilotenreaktion. Wer aktiv fliegt kann mit einem High-B Schirm im Gleiten mehr Leistung abrufen. Wer zu wenig aktiv fliegt wird mit einem Low-B Schirm eine bessere Leistung abrufen als mit einem High-B. Im Steigen sind die Low-B Schirm meistens besser als die High-B. Dies hat aerodynamische Gründe (Wölbung – Streckung, engeres Drehen usw.)

 

Streckenflugpilot oder Hausbart-Pilot?

Im Trimmflug gibt es zwischen High-B Schirmen und EN-C Schirmen kaum einen Unterschied. Der Unterschied liegt im beschleunigten Flug und in turbulenten Bedingungen. Ein EN-C Schirm wird sich weniger „aufbäumen“ oder „aufstellen“ als ein B-Schirm. Wer jedoch den EN-B Schirm auch bei turbulenten Bedingungen voll beschleunigt im Griff hat, der wird die „ängstlichen“ EN-C Piloten mühelos abhängen.

Grundsätzlich gilt für Hausbartdreher reicht Low-B völlig aus. Unerfahrenere Streckenflieger und Piloten die gerne hohe Wingover fliegen, sollten zu einem High-B Schirm greifen. Meiner Meinung nach sind dies die Schirme mit dem grössten Spassfaktor, und einer gute Balance zwischen Dämpfung und Dynamik.

 

C-Schirme:

Folgendes sind gute Gründe für einen C-Schirm:

– Ich fliege extrem viel und suche ein sehr agiles Handling.

– Ich fliege sehr oft mehr als 2/3 Beschleunigt – auch in turbulenter Luft.

– Ich fliege oft grössere Strecken

Die gängigen EN-C Schirme gleiten nur unwesentlich besser als die Schirme der B-Klasse. Zumindest im Trimmspeed. Sie fordern aber vom Piloten zum Teil wesentlich mehr. Man büsst die bessere Leistung unter anderem mit Komfort ein. Wer aber die Schnelligkeit und Dynamik sucht, der kann mit einem C-Schirm genau richtig sein. Für Vielflieger die Leistung und Spass haben wollen ist diese Klasse ideal. Wingover gehen in der Regel richtig hoch und auch Manöver wie der SAT können erflogen werden. Doch wenn Leistung gefragt ist, Beispielsweise bei einer Talquerung mit starkem Gegenwind oder bei einem Streckenflug auf Zeit, zeigt der EN-C Schirm seine Vorteile.  Die Schirme sind darauf ausgelegt Aufwinde effizient in Geschwindigkeit umzusetzen, denn sie bäumen sich weniger auf beim Einfliegen in die Thermik. Die Geräte müssen dafür jedoch aktiv geflogen werden. Bei Schirmen der EN-C Klasse sollten Klapper wirklich nicht mehr vorkommen. Die geringere Dämpfung lässt den Piloten einen kommenden Klapper früh spüren und trotzdem lässt die Gutmütigkeit der Schirme viel Zeit um zu reagieren. Wer trotzdem Klapper kassiert sollte sich einen Wechsel zurück in die EN-B Klasse überlegen. C-Schirme klappen früher als B-Schirme und die Reaktionen sind wesentlich heftiger. Ein gezielter und schneller Piloteneingriff ist notwendig.

Wer kaum Beschleunigt fliegt und keine grossen Streckenflüge macht, der nutzt die Leistung des Schirmes kaum. Der Pilot würde mit einem einfacheren Schirm wohl bessere Strecken fliegen, sich wohler fühlen und 100% mehr Spass haben.

 

 

D-Schirme:

Weil es richtig Spass macht mit Vollspeed und trotzdem exzellentem Gleiten durch die Luft zu Pflügen 🙂

Es gibt verschiedene D-Schirme mit verschiedenen Charakteren. Grundsätzlich kann man zwischen 2-Leinern und 3-Leinern unterscheiden. 3-Leiner verhängen in der Regel weniger stark, bieten oft etwas mehr Komfort und sind im Extremflugverhalten überschaubarer. 2-Leiner haben in der Regel mehr Leistung bei Topspeed und können aktiv mit den B-Leinen gesteuert bzw. gestützt werden, klappen aber in der Regel flächentief.

 

Wer einen D-Schirm fliegt und bei turbulenten Bedingungen nicht traut in das Gas zu stehen, der hat die falsche Klasse gewählt. Diese Schirme brauchen einen guten Meister, der sie zügelt. Wer den Schirm nicht im Griff hat wird zum Passagier und das macht kein Spass. Apropos Spass, Spiralen ist eine Qual, der SAT kaum zu fliegen, wenn man mal hoch ist und runter will kann man zwar mit vollem Tempo den letzten Schenkel des FAI Dreieckes in die Länge ziehen und dabei den Geschwindigkeitsdurchschnitt erhöhen, aber herunter zu turnen ist nur sehr bedingt möglich und macht oft weniger Spass als mit einem Agilen C- oder B- Schirm.

Der Spass mit diesen Schirmen beschränkt sich gewissermassen auf das Strecken- und Wettkampffliegen.

 

Wer den Schirm nicht 100% beherrscht, wird in turbulenten Bedingungen überfordert sein, lange Flüge aufgrund mangelnder Ausdauer vorzeitig abbrechen und sich unter Umständen unnötig gefährden. An den Wettkämpfen zeigt sich oft, dass die guten EN-C oder sogar EN-B Piloten den Hochleistern um die Ohren fliegen, wenn diese nicht in guten Händen sind.

Ein top Pilot hat Spass an diesem Schirm, ein guter Pilot hat an einem C-Schirm wesentlich mehr Spass.

 

Fazit:

– Von A- zu B-Schirmen ist ein Schritt sehr schnell möglich und sinnvoll, die B-Schirme machen einfach mehr Spass als die klassischen Schulschirme.

– Achtung, es gibt B- und B- Schirme. Einfache „Low“ B-Schirme sind für fast jeden Piloten geeignet. Anspruchsvollere B-Schirme sind die idealen Geräte um Streckenflugerfahrungen zu sammeln und haben genügend Potential um grössere Strecken zu fliegen. Auch mit diesen Schirmen sind 200km Flüge möglich!

– Wer oft mit Vollgas durch die Gegend brettert, aktiv und mehr als 70h pro Jahr fliegt und keine Klapper kassiert – der soll zu einem Schirm der C-Klasse greifen – sofern er die Extremflugmanöver Frontklapper, beschleunigte Seitenklapper usw. im Griff hat.

– Wer kompromisslos Leistung sucht und mit dem C-Schirm auch bei turbulenten Bedingungen nicht aus dem Gas geht – der könnte mit einem D-Schirm glücklich werden. Aber nicht vergessen wie viel Komfort man dafür einbüsst.

 

Aber das Wichtigste:

– Bessere „Gleitzahlen“ sind kein Grund die Schirmklasse zu wechseln!

– B Schirme sind wohl die Schirme die am besten in der Thermik steigen.

– Eine Klasse unter deinem Können macht mehr Spass als eine Klasse darüber!

– Lieber mit dem intermediate Schirm den Hochleister überholen als vom Intermediate überholt zu werden… 🙂

 

Entschuldigt all die Verallgemeinerungen – logisch gibt es immer auch Ausnahmen – aber eher selten!

 

Mein Resultat:

Meine Entscheidung fiel schlussendlich auf den Triton 2 aus folgenden Gründen:

  • Handling gefällt mir
  • Gutes Steigen auch wenn’s schwach ist.
  • Gerade noch knapp im C und damit in der Sportklasse.
  • Entspanntes Streckenfliegen

Damit die Leistung dennoch hoch ist werde ich bei guten Bedingungen mit Wasserballast in dem erweiterten Gewichtsbereich fliegen und die Ohren etwas schneller trimmen.

 

Geflogene Schirme:

Niviuk Peak 3

Niviuk Artik 3

Ozone Mantra M6

Skywalk Cayenne 5

BGD Cure

BGD Tala

Advance Sigma 9

Ozone Delta 2

Ozone Swift 4

Ozone Rush 3

Ozone Swift 2

Advance Alpha 5

Advance Mojo

Gin Yeti

U-Turn Emotion

U-Turn Blacklight

Nova Triton 2

MC Para Icon 24

Dudek Colt

 

B-Place

Bibeta 5

 

5 thoughts on “Welcher Gleitschirm passt zu mir?

  1. Ein sehr ausführlicher Bericht deiner Erfahrungen muss ich sagen. Nun habe ich die Frage warum du high B Schirme für erste Streckenflugerfahrungen empfiehlst? Ich habe einen Infinity 4 der ist im unteren B Bereich eingestuft. Ich habe am WE echt turbulente Erfahrungen mit meinem Schirm gemacht. (Allgäu) Mein Flügel hat sich 300 Meter über Grund kaum geradeaus steuern lassen. Der Schirm wurde immer um die Seite geschoben, sprich ich war gezwungen Kreise zu fliegen. Ist das vielleicht der Grund für einen High B Schirm?
    Würde mich auf eine Antwort freuen 🙂

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