Gleitschirm

Testbericht Ozone Zeolite

Besten Dank, dass ich den Schirm testen durfte.

-> www.paragliding-urnersee.ch

-> www.bridwings.ch

Mach dir selbst ein Bild vom Schirm, schaue das 360° Video.

Einer der letzten Thermiktage im Spätsommer nutzte ich um den Zeolite von Ozone zu testen. Artgerecht für den Leichtschirm plante ich ein Hike&Fly, da es geschneit hatte musste ich mich mit den Glatten (2504m) zufrieden geben.

 

Der Startplatz ist ein sehr flacher Gipfel und ein leichter Abwind hat sich eingestellt. Kurz überlegte ich ob ich den Schirm überhaupt auspacken sollte, aber da es ein Leichtschirm ist dachte ich mir es sollte schon passen. Und tatsächlich, schon beim ersten Aufziehen war ich überrascht wie schön der Schirm steigt um über einem stehen zu bleiben – Wahnsinn! Die wenigen Leinen und das leichte Tuch machen den Eindruck, dass der Schirm auch in schroffem Gelände kaum hängen bleibt, da er einfach sehr schnell und homogen steigt und den Boden verlässt.

 

Nach einigen Minuten Groundhandeln bei gefühlt keinem Wind entschied ich mich zum Start. Ich musste gegen den Hang aufziehen und mit einer 90° Kurve Starten. Aufgrund des flachen Geländes und des Abwind gab es einen ziemlichen Spurt…

Kurz nach dem Abheben war ich über das anfahren des Schirmes überrascht, in Zusammenhang mit den ungewohnt hohen Bremsdrücken touchierte ich dadurch nochmals den Boden. Dies war aber klar ein Pilotenfehler, später merkte ich, dass man schon kräftig ziehen muss wenn der Schirm etwas machen sollte.

 

Es ging sofort mit Rückenwind in die Leethermik, mein erster Flug führte mich dem Schächental entlang, wo es durch die Stabilität und den NW-Wind eher unruhig zu fliegen war. Die erste halbe Stunde war ich eher enttäuscht vom Schirm. Ich begriff nicht wie dieser wirklich geflogen werden wollte, er schien mir träge in den Kurven und im Hangsoaren und trotzdem nervös im Geradeausflug. Ich machte einige Touch&Go’s und Toplandungen, versuchte Minimal- und Maximalspeed, Wingover und Nicken aus um ein besseres Gefühl für den Schirm zu bekommen.

 

Mit der Zeit wurde mir klar, der Schirm hat hohe Steuerdrücke und geht nicht so zackig in die Kurve wie mein Trango X-Race. Es scheint, dass er eher flach dreht und nur unwillig Neigung und Dynamik aufbaut. Will man dynamische Kurven fliegen muss man schon eher grobe Bremsimpulse geben. Wenn er dann mal Dynamik aufgebaut hat behält er diese angenehm bei und setzt sie in Kurven, Wingover oder Höhe um.

Bei hangnahem Fliegen empfinde ich die fehlende Dynamik und Wendigkeit jedoch als klarer Minuspunkt, man braucht etwas mehr Reserve. Dafür macht genau diese gewisse Trägheit den Schirm gefühlt sehr sicher zum Fliegen.

 

Interessant ist, dass der Bremseinsatz an den Flügelenden zu deutlich höheren Anstellwinkeln führt als in der Flügelmitte. Dadurch stallt er sehr angenehm über die Flügelenden ab ohne plötzlich komplett ab zu kippen und kann extrem langsam geflogen werden beziehungsweise kommt man mit «Pumpen» sehr gut und gefühlt sicher runter. Genau diese Eigenschaft finde ich bei Hike&Fly Wettkampfschirmen extrem wichtig. Auch wenn dadurch ein «SiKu Fullstall» anspruchsvoller einzuleiten ist, um ein Back-Horseshoe zu vermeiden, scheint mir dieses Verhalten Gleitschirme grundsätzlich sicherer zu machen.

 

Der hohe Steuerdruck ist bestimmt gewöhnungsbedürftig. Ob hohe Steuerdrücke schlecht oder gut sind ist bestimmt eine Geschmackssache, als übertrieben hoch würde ich sie nicht bezeichnen. Die B-Leinen Steuerung funktioniert gut, der Druck auf den B-Leinen ist angenehm moderat. Da ich nicht sehr viel 2-Leiner Erfahrung habe kann ich auch nicht viel dazu sagen, ich empfand die Kappe beschleunigt sehr stabil. In turbulenter Luft bei Vollgas lief ich Gefahr, womöglich durch zu grobe B-Leinen Impulse, die Kappe auf zu schaukeln. Man sollte den Schirm möglichst fliegen lassen und nicht zu viel korrigieren – wahrscheinlich gewöhnungs- und Vertrauenssache in den Schirm.

 

Im beschleunigten Flug ist interessant, dass die äussersten A-Leinen nur ½ so stark beschleunigt werden wie die inneren A-Leinen. Gerade in beschleunigten Klappern könnte dies ein Vorteil sein, ohne dies genauer zu verifizieren.

 

Beschleunigt anbremsen und anfahren lassen für einen Starken Hang-aufwärts-Pendel geht gut, der Schirm kann stark auf die Bremse genommen werden und taucht anschliessend sehr stark. Das Ausflairen benötigte zuerst etwas Angewöhnung, da der Bremsimpuls deutlich energischer zu geben ist als beim Trango. Aber grundsätzlich Flairt der Schirm tiptop und kann überall gelandet werden. Bei Landungen quer zum Hang oder auf Platteaus kann der Schirm mittels «Pumpen» sehr gut und kontrolliert zu Boden gebracht werden. Tendenzen zum unbemerkten stallen oder anfahren/tauchen konnte nicht festgestellt werden.

 

Fazit:

Ein spannendes Konzept, 2-Leiner, wenige Fläche, geringe Streckung. So lange hatte ich noch nie gebraucht um mich an einen Schirm zu gewöhnen, einmal daran gewöhnt hatte ich ziemlich Spass mit dem Schirm. Zum Starten und Landen ist der Schirm super, insbesondere das Leinensortieren ist sehr einfach.

Der Schirm scheint für die Klasse nicht allzu anspruchsvoll, ob das stimmt wird sich in der Praxis zeigen.

Der Geschwindigkeitsbereich ist gross, jedoch bin ich nicht sicher wie gut er sich bei Vollgas in einem Lee kontrollieren lässt, da er die Tendenz hat sich auf zu schaukeln.

Die Steuerdrücke sind hoch und die Wendigkeit aus dem Trimmspeed lässt zu wünschen übrig. Vielleicht ist es aber genau diese fehlende Agilität welche den Schirm scheinbar einfach zu fliegen macht.

 

Leistung: Leute die nach «Leistung» Fragen sollten einen Enzo Kaufen und an den Osterhasen glauben 🙂 Meiner Meinung nach lässt sich Leistung weder messen noch vergleichen noch beurteilen – ausser die Leistung der Piloten…

One thought on “Testbericht Ozone Zeolite

  1. Danke fuer den Bericht. Stimme speziell dem letzten Statement zu. Eine Zehntel-GZ-Fuchserei macht keinen Sinn wenn ein Pilot durch ein nicht ganz so optimales Manoever ohnehin duzende von Metern vernichtet. 🙂

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